19.02.2020
Mit Hartnäckigkeit ans Ziel - Münchner Merkur vom 19.2.2020

Josef Hauser (53) will das Dietramszeller Rathaus erobern. Er hält nichts davon, dass die Umlandgemeinden den Siedlungsdruck aus München ausgleichen sollen.

Dietramszell – Der riesige Esstisch dominiert den Raum. Das rohe Kiefernholz bildet einen überraschenden Kontrast zur offenen weißen Hochglanzküche mit dem hellen Fliesenboden. Hinter einer Glasscheibe lodert ein Kaminfeuer; eine rot gestrichene Wand sorgt für Farbe. „Hier trifft sich die Familie“, sagt Josef Hauser. Mindestens einmal täglich sitzen seine Frau Violeta und er mit den Kindern Melissa (17), Lena (15) und Christopher (13) zusammen, um beim gemeinsamen Essen über die Freuden und Sorgen des Alltags zu sprechen. „So verliert man den Kontakt zueinander nicht.“ Immer mit dabei ist Familienhund „Donna“ – ein schwarz gelocktes Energiebündel, das zur seltenen Rasse der Portugiesischen Wasserhunde gehört. Im eigentlichen Wohnzimmer lebt seit einigen Monaten Hausers pflegebedürftige Schwiegermutter.

Vor zehn Jahren zog der 53-jährige Ascholdinger mit seiner Familie in den früheren Bungalow seines Onkels. Um Platz für die notwendigen zusätzlichen Schlafzimmer zu schaffen, erzählt er, wurde das komplette Dach angehoben. Aufgewachsen ist er nur ein paar hundert Meter entfernt am Ortsrand von Ascholding. Weil er seine Heimat liebt, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung, möchte er jetzt für die Freien Wähler Bürgermeister von Dietramszell werden. „Ich will, dass unsere Dörfer Dörfer bleiben“, sagt er, „und das menschliche Miteinander gewahrt bleibt.“ Er hält nichts davon, dass die Umlandgemeinden den Siedlungsdruck aus München ausgleichen sollen: „Wenn jetzt niemand etwas macht, haben wir in ein paar Jahren nur noch Schlafdörfer.“

Schon bei der jüngsten Kommunalwahl vor sechs Jahren habe er über eine Kandidatur als Rathauschef nachgedacht. „Aber damals waren mir die Kinder noch zu klein.“ Seit 2014 ist Hauser Dritter Bürgermeister; seit zwölf Jahren sitzt er im Dietramszeller Gemeinderat. „Ich weiß, dass mir nachgesagt wird, der Hauser Sepp ist gegen alles“, räumt er freimütig ein. Projekte wie das Gewerbegebiet oder den Bau eines großen Nahversorgers am Ortsrand von Ascholding konnte er durch seine Einwände nicht verhindern. „Aber immerhin gibt es eine deutliche Verbesserung zu den ursprünglichen Plänen“, betont er. So entsteht der Kindergarten der Gemeinde jetzt nicht westlich im Schatten des Edeka-Markts, sondern auf einem sonnigen Südgrundstück. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Fördervereins „Kindertagesstätte Ascholding“ hatte er sich gut zehn Jahre für einen Kindergartenneubau im Ort eingesetzt.

Hartnäckigkeit bezeichnet er als seine persönliche Stärke. Die kann er auch in seinem Beruf gebrauchen. Hauser arbeitet bei der Kriminalpolizei in Miesbach, wo er unter anderem für die Sachbearbeitung von Brand-, Sexual- und Tötungsdelikten zuständig ist. „Manchmal nehme ich meine Fälle geistig mit nach Hause“, gibt er zu. „Der getötete Säugling in Otterfing vor zwei Jahren zum Beispiel, das war für mich eine sehr belastende Sache.“ Auch solche Dinge kommen daheim am Küchentisch zur Sprache.

Zur Kripo gelangte er allerdings erst über einen Umweg. Ursprünglich hat er Koch gelernt, erzählt Hauser. „Aber da muss man erst in der Welt umeinanderziehen, wenn man es zu etwas bringen will. Dazu war ich zu heimatverbunden.“ Lieber sattelte er um: Nach ein paar Jahren „dies und jenes“ fing er als 24-Jähriger im mittleren Polizeidienst an; später setzte er noch ein Studium zum Verwaltungswirt drauf.

Zum Entspannen geht der Kriminalhauptkommissar gern Bergwandern, Fahrradfahren oder zum Schafkopfen des Schützenvereins. Am besten bekommt er den Kopf beim Laufen frei: „Damit habe ich vor einem halben Jahr wieder angefangen, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe.“ Den Ausschlag dafür habe seine Kandidatur gegeben. „Wenn ich nach der Amtszeit in sechs Jahren wieder in das Beamtenverhältnis bei der Kripo wechseln will, muss ich die Gesundheitsprüfung noch einmal bestehen“, sagt Hauser und lächelt.

Quelle: Isar-Loisachbote vom 19.2.2020