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Bürgermeister Josef Hauser erlebte im zu Ende gehenden Jahr 2021 einige Meilensteine – beruflich wie privat
Dietramszell – Zum Jahreswechsel wird Bilanz gezogen. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Dietramszells Bürgermeister Josef Hauser (Freie Wähler) darüber, wie das Jahr 2021 gelaufen ist und welche Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen.
Herr Bürgermeister Hauser, war 2021 für Dietramszell ein gutes oder ein schlechtes Jahr?
Trotz aller Widrigkeiten, die Corona mit sich gebracht hat, war es ein gutes Jahr. Die Gewerbesteuereinnahmen haben sich viel besser entwickelt, als wir zu Beginn des Jahres vermutet hatten. Nach unserer sehr vorsichtigen Schätzung sind wir von 1,4 Millionen Euro ausgegangen, jetzt liegen wir schon bei deutlich über zwei Millionen.
Worauf sind Sie als Bürgermeister besonders stolz?
Oh, da gab es einiges, was sehr gut gelaufen ist. Wichtig ist mir vor allem, dass wir die Baustelle für den Kindergarten Ascholding abgeschlossen haben – und das unter Einhaltung des Kostenrahmens. Am 19. Mai sind wir eingezogen. Und auch am A-Bau der Schule sind die Renovierungsarbeiten endlich beendet, sodass die Erst- und Zweitklasskinder zum Schuljahresbeginn wieder einziehen konnten. Richtig gefreut hat mich auch, dass die Zwischenlösung beim Fahrzeugkauf für die Freiwillige Feuerwehr Hechenberg so gut geklappt hat. Von der Feuerwehr in Föching konnten wir ein Gebrauchtfahrzeug erwerben, das nur halb so alt ist wie unseres. Für den Gemeinderat war es sehr wichtig, dass wir im November trotz Corona zweieinhalb Tage in Klausur gehen konnten. Sich einmal ohne Tagesordnung, ohne Zeitdruck und außerhalb des Protokolls zu unterhalten, das war sehr gewinnbringend. 50 Prozent der Gemeinderäte sind neu, für die war das die erste Klausur. So konnte man mal sehen, wie die Leute ticken. Und dass man zwar unterschiedliche Meinungen hat, aber schlussendlich doch alle das Gleiche wollen.
Was hätte besser laufen können?
Was die drei Linden vor dem Kloster angeht, hätten wir vielleicht noch mehr Kommunikation betreiben sollen. Es gab ja einen Gemeinderatsbeschluss, dass die Bäume wegkommen. Trotzdem sind wir mit der Fällung auf viel Unverständnis gestoßen. Wenn ich es den Leuten erklärt habe, haben sie es im Nachhinein dann eingesehen. Nächstes Jahr im Herbst, wenn die Bauarbeiten am Klostervorplatz abgeschlossen sind, sollen neue Bäume gepflanzt werden. Auch bei der Abrechnung des Gehwegs in Obermühltal hat es an Kommunikation gefehlt. Da hatten wir zwei Informationsveranstaltungen geplant, weil die Anwohner einen größeren Teil der Kosten tragen mussten als ursprünglich geplant. Leider mussten beide Veranstaltungen abgesagt werden, einmal wegen einer Erkrankung des Referenten und einmal wegen zu hoher Corona-Fallzahlen. Stattdessen gab es nur ein Schreiben, mit dem wir versucht haben, den Sachverhalt zu erklären. Da blieben bei den Bürgern aber noch viele Fragen offen.
Gab es trotz Corona auch gesellschaftliche Höhepunkte?
Mich hat besonders gefreut, dass die Entlassfeier der Mittelschule stattfinden konnte. Da war nämlich mein Sohn dabei. Die Bürgerversammlung, die letztes Jahr ausfallen musste, konnten wir dieses Jahr auch wieder durchführen. Und der Lehards war zwar abgesagt, aber es gab trotzdem eine kleine Feldmesse, zu der wir mit der Gemeindekutsche hingefahren sind. Das fand ich sehr schön.
Was kommt 2022 auf die Gemeinde zu?
Der Erweiterungsbau am Kindergarten Linden soll fertiggestellt werden. Dann sind die derzeit drei Standorte des Kindergartens endlich wieder unter einem Dach und das Sportheim des SV Dietramszell wird wieder frei. Spannende Neubauprojekte sind auch das Feuerwehrhaus in Ascholding und das Schützenheim in Linden. Im Ortszentrum Dietramszell erwartet uns mit der Straßensanierung und den angrenzenden Dorferneuerungsmaßnahmen eine große Aktion.
Sie galten lange Zeit als Gegner der Dorferneuerung. Ist Ihnen die immer noch ein Dorn im Auge?
(lacht) Nein, ich freue mich darauf, wenn es schöner wird. In erster Linie geht es ja um eine Aufwertung des Ortskerns.
Eine private Frage zum Schluss: Was war für Sie persönlich der berührendste Moment 2021?
Oh, da muss ich nachdenken. (Pause) Meine Tochter ist im August für ein Jahr nach Amerika geflogen. Mit 16 Jahren. Das war für uns Eltern ein bedeutsamer Augenblick, als wir unser Kind so früh in die Freiheit entlassen haben. Und unser Sohn und unsere älteste Tochter haben 2021 ihre Schulzeit beendet, das war auch ein wichtiger Schritt für uns alle.